Kempten macht Klimaschutz sichtbar

Pressekonferenz zur Plattform Climate View im Weberzunftraum_Rathaus KE

mit der digitalen Plattform „Climate View“


Wo steht die Stadt Kempten auf dem Weg zur Klimaneutralität? Wie hoch sind die Emissionen im Bereich Mobilität oder Industrie? Welche Maßnahmen werden ergriffen oder sind in Planung? Auf der Plattform „Climate View“ können Bürger*innen seit Anfang dieser Woche einen direkten Einblick bekommen, wie es um die Klimaschutzbemühungen Kemptens bestellt ist.

Die Plattform ist auf der Homepage der Stadt zu finden. Ob Minderungskurven oder Steckbriefe zu einzelnen Maßnahmen: Die übersichtliche Struktur mit vielen Grafiken macht transparent, was in Kempten im Bereich Klimaschutz läuft. Unter „Emissionen“, „Reduktionspfad“ und „Maßnahmen“ stehen dazu aktuelle Daten, die laut Anita Bernschneider (Klimaschutzmanagement) regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden sollen. Über die Schlagwortsuche und Filter kann beispielsweise gezielt nach Maßnahmen in einzelnen Bereichen (z.B. Mobilität, Energiemix, Kommunaler Betrieb usw.) und deren Umsetzungsstand gesucht werden.

Oberbürgermeister Thomas Kiechle hat am Dienstag gemeinsam mit Martin Sambale (Geschäftsführung Energie- und Umweltzentrum Allgäu – eza!), Thomas Weiß und Anita Bernschneider (Klimaschutzmanagement) sowie Tim Koemstedt (Leiter des Referats für Planen, Bauen und Verkehr) das neue Tool der Presse vorgestellt. Mit „Climate View“ will die Stadt ihre Bemühungen im Bereich Klimaschutz für die Öffentlichkeit besser sichtbar machen und transparenter gestalten.

Der Hintergrund: Das bisherige Zertifizierungsprogramm „European Energy Award“ (eea) wurde Ende 2025 in Deutschland eingestellt. Daraufhin wurde der Verein „Klimakommune Deutschland e.V.“ gegründet, der zum Ziel hat, Kommunen bundesweit bei der Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen. Kommunen, die erfolgreich am Programm „Klimakommune“ teilnehmen, können als „Klimastadt“ ausgezeichnet werden. Als Gründungsmitglied strebt Kempten diese Auszeichnung an. „Wir sehen uns in einer Vorbildrolle und spüren, dass wir sichtbarer werden müssen“, so Oberbürgermeister Kiechle. „Climate View“ hilft dabei, die erreichten Meilensteine zu dokumentieren, Ziele zu modellieren und anschaulich darzustellen. Unter anderem sind die Treibhausgasbilanzen seit 2010, der Klimaplan 2035 oder die kommunale Wärmeplanung integriert. Man könne die Plattform auch direkt für Sitzungen der städtischen Gremien einsetzen, so Martin Sambale – die Software biete viele Möglichkeiten, fundierte Entscheidungen zu treffen. „Climate View“ wird auch in den verschiedenen Ausschüssen des neu gewählten Stadtrats vorgestellt werden.

Laut Klimaplan 2035 sollen bis zum genannten Jahr die klimaschädlichen Emissionen um 95 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 reduziert werden, sodass Kempten weitgehend klimaneutral wird. Unter dem Leitgedanken „Klima, Umwelt, Mobilität – nachhaltig planen und handeln“ gehört der Klimaschutz zu den fünf langfristigen strategischen Zielen der Stadt. Auf Nachfrage räumt OB Kiechle ein: „Das Ziel, bis 2035 klimaneutral zu sein, wird nicht erreicht.“ Dennoch sei es wichtig, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Allzu harsche Kritik sei kontraproduktiv – „Das Ziel erreichen wir durch Motivation!“ Wichtig sei es, die Vorteile aufzuzeigen, zum Beispiel für die Lebensqualität vor Ort.

Grundsätzlich sehe ich das auch so, dennoch werden wir im „Kempten muss handeln“-Blog die Daten demnächst genauer unter die Lupe nehmen – und den Prozess weiterhin aufmerksam und konstruktiv begleiten.