Klimastreik vor der Kommunalwahl

Klimastreik, Demo

Wählt Frauen, wählt junge Leut‘!

Bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen war in Kempten heute wieder Klimastreik. In den Redebeiträgen ging es diesmal nicht nur um die „üblichen“ Themen von Klimaschutz bis Mobilität, für die wir seit Jahren gemeinsam mit Fridays for Future auf die Straße gehen, sondern auch um die anstehenden Kommunalwahlen und den geringen Frauenanteil im Kemptener Stadtrat. Also, liebe Leute, hier nochmal der Appell an alle: geht bitte unbedingt wählen (oder wählt per Briefwahl)! In der Kommunalpolitik wird über so viele wichtige Themen entschieden, die unser aller Leben direkt betreffen: Radwege, der Ausbau des ÖPNV, Flächenversiegelung, PV-Anlagen und und und…

Übrigens: Am 8. März ist nicht nur Kommunalwahl, sondern auch Weltfrauentag – beziehungsweise „Wählt Frauen-Tag“. DIE Gelegenheit, mehr Frauen in den Stadtrat zu wählen! Bisher sind nur 12 von 44 Sitzen im Kemptener Stadtrat von Frauen besetzt, also etwa ein Viertel. Und noch so ein kleiner Skandal: es gibt bisher gerade einmal drei Stadträte unter 30 Jahren (Julius Bernhardt, Dominik Tartler und Tim Berchtold)! Man kann nur hoffen, dass die Kommunalwahl dieses Jahr für mehr Frauen und mehr junge Leute sorgt – nicht, weil irgendjemand grundsätzlich etwas gegen „alte weiße Männer“ hätte, sondern ganz einfach, damit mehr Perspektiven und mehr Lebensrealitäten in den Stadtrat Einzug erhalten.

Wenn euch die Kommunalwahl zu kompliziert erscheint, schaut nochmal im Blogbeitrag „Stadtrat- und Oberbürgermeisterwahl in Kempten“ nach, es ist wirklich kein Hexenwerk!

Für alle, die die Demo verpasst haben, hier die tolle Rede von Julia, die wir mit freundlicher Genehmigung in den Blog stellen dürfen:

Das Allgäu ist für viele ein Sinnbild für saubere Luft, für grüne Wiesen, für schneebedeckte Berge. Für eine Heimat, die stark ist und schön.
Aber wir stehen heute hier, weil diese Heimat bedroht ist.
Die Klimakrise ist kein fernes Problem mehr. Sie ist nicht irgendwo am Nordpol oder auf einer kleinen Insel im Pazifik. Sie ist hier. Sie ist im Allgäu. Sie ist in unseren Bergen. Sie ist in unserem Alltag.
Unsere Alpen verändern sich dramatisch. Gletscher, die über Jahrtausende gewachsen sind, verschwinden in wenigen Jahrzehnten. Orte, an denen früher selbst im Sommer Schnee lag, sind heute grau und kahl. Das ist nicht nur ein Verlust von Schönheit. Es ist ein Verlust von Sicherheit.
Denn die Alpen sind unser Schutzschild. Sie speichern Wasser, sie regulieren unser Klima, sie sichern unsere Lebensgrundlagen.
Doch mit der Klimakrise kommen auch neue Gefahren:
Mehr Starkregen. Mehr Hochwasser. Mehr Murenabgänge.
Gleichzeitig erleben wir heißere Sommer, trockenere Böden und eine Landwirtschaft, die immer stärker unter Druck gerät.
Unsere Landwirtinnen und Landwirte spüren das längst. Unsere Wälder spüren das längst. Und wir alle spüren es.
Und wir spüren die Klimakrise auch direkt hier in unserer Stadt.
Die Sommer in Kempten werden heißer. Tage mit über 30 Grad sind keine Ausnahme mehr, sondern werden zur Normalität. Und die Frage ist: Wie schützen wir die Menschen hier vor dieser Hitze?
Wir brauchen mehr Stadtbegrünung. Mehr Bäume. Mehr Parks.
Wir brauchen Luftschneisen, damit kühle Luft überhaupt noch in unsere Stadt kommen kann.
Und wir brauchen Wasser in der Stadt – Brunnen, offene Wasserflächen, Orte der Abkühlung.
Denn Klimaschutz bedeutet auch: Unsere Städte lebenswert zu halten.
Es geht darum, dass Menschen hier auch in Zukunft gesund leben können. Dass ältere Menschen nicht unter der Hitze leiden. Dass Kinder Platz haben, um draußen zu sein – selbst im Sommer.
Und trotzdem wird noch immer so getan, als hätten wir Zeit.
Aber die Wahrheit ist: Wir haben keine Zeit mehr.
Und genau deshalb ist es so wichtig, dass wir heute hier sind.
Doch Protest allein reicht nicht. Protest muss Veränderung schaffen.
Und diese Veränderung beginnt nicht nur in Berlin oder München. Sie beginnt hier. In unseren Städten. In unseren Gemeinden. In Kempten.
Denn die Entscheidungen, die hier im Stadtrat getroffen werden, entscheiden darüber, wie unsere Zukunft aussieht.
Es ist eine kommunale Entscheidung, ob Busse öfter fahren oder ob Menschen weiter auf das Auto angewiesen sind.
Es ist eine kommunale Entscheidung, ob sichere Radwege gebaut werden oder ob Menschen sich jeden Tag in Gefahr begeben müssen.
Es ist eine kommunale Entscheidung, ob unsere Stadt in erneuerbare Energien investiert oder weiter abhängig bleibt von fossilen Energien, die unsere Zukunft zerstören.
Und es ist eine kommunale Entscheidung, ob wir unsere Flächen schützen – oder weiter zubetonieren.
Die Kommunalwahl ist deshalb keine „kleine“ Wahl.
Sie ist eine Klimawahl.
Sie ist eine Wahl darüber, ob wir den Mut haben, unsere Stadt klimaneutral zu machen.
Ob wir den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen.
Oder ob wir weiter zuschauen.

Ich will eine lebenswerte Zukunft.
Ich will eine Stadt, in der Klimaschutz kein Nebenthema ist, sondern Priorität.
Ich will eine Stadt, die Vorreiterin ist – nicht Nachzüglerin.
Denn wir wissen:
Klimaschutz ist kein Verzicht.
Klimaschutz ist ein Gewinn.
Für unsere Gesundheit.
Für unsere Lebensqualität.
Für unsere Zukunft.
Und vor allem:
Für Gerechtigkeit.
Denn die Klimakrise ist auch eine Gerechtigkeitskrise.
Sie trifft nicht alle gleich. Sie trifft die Jüngeren stärker. Sie trifft die Schwächeren stärker. Und sie trifft diejenigen stärker, die am wenigsten zu ihr beigetragen haben.
Deshalb ist unser Einsatz kein Hobby.
Er ist notwendig.
Und deshalb ist eure Stimme so wichtig.
Nicht nur hier auf der Straße.
Sondern auch bei der Wahl.
Denn Demokratie ist unser stärkstes Werkzeug.
Und Veränderung ist möglich.
Die Geschichte hat immer wieder gezeigt:
Wenn Menschen laut sind, wenn Menschen mutig sind, wenn Menschen nicht aufgeben – dann verändert sich etwas.
Und genau deshalb stehen wir heute hier.
Weil wir diese Zukunft wollen.
Eine Zukunft, in der das Allgäu auch für kommende Generationen noch das ist, was es für uns ist:
Eine Heimat.
Vielen Dank.
Julia Burger