Bürger*innen sehen die Planungen kritisch
Das Naherholungsgebiet Bachtelweiher steht vor einem Umbruch: Am Klingener Weg soll ein Wohnmobilstellplatz mit zusätzlichem „normalen“ Parkplatz entstehen, der Bachtelweiher Garten soll zu einer Eventlocation umgebaut und die Minigolfanlage komplett neu gestaltet werden. Der BUND Naturschutz sieht die Planungen kritisch, wie bereits berichtet. Ich auch, und zwar aus folgenden Gründen.



Minigolfanlage mit herrlichem (Alt-)Baumbestand
Für die (Um-)Baumaßnahme sollen 23 Bäume und zahlreiche kleinere Gehölzstrukturen gefällt werden. Zum Zeitpunkt eines Gesprächs von BUND Naturschutz und dem Freundeskreis Lebenswertes Kempten mit der Stadtverwaltung, den Investoren Helmut Berchtold und Martin Haslach und ihrem Planungsteam Ende letzten Jahres war unklar, welche Bäume aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden müssen und welche einfach „im Weg stehen“. Anfang dieser Woche fanden Fällungen auf dem Gelände statt. Welche Großbäume betroffen sind, ist nicht bekannt. Die aktuellen Maßnahmen betreffen aber nicht nur große, sondern auch zahlreiche kleinere Gehölze, letztere können nicht mit der Verkehrssicherungspflicht in Zusammenhang stehen.
Die Minigolfanlage soll komplett neu gestaltet werden, inklusive neuer Wege zu den einzelnen Bahnen, die ebenfalls neu angelegt werden. An sich ist es ja löblich, dass an Barrierefreiheit gedacht wird – doch in diesem Bereich stehen auch viele Altbäume – mit Wurzeln, die nicht beschädigt werden dürfen (denn Schäden an den Wurzeln können bis zum Absterben des Baums führen). Schäden am Wurzelwerk sind aber wahrscheinlich nicht zu vermeiden, wenn man für einen neuen Weg die Erde auskoffert.
Fraglich ist auch, wie sich der Bau eines Stellplatzes für 40 Wohnmobile samt zusätzlichem Parkplatz für 30 Fahrzeuge auf die dort lebenden Amphibien und ihre Wanderungen auswirkt. Der BUND Naturschutz organisiert dort seit vielen Jahren die Amphibienwanderung – baut Krötenzäune auf, sammelt Amphibien ein und trägt sie über die Straße… Die bauliche Maßnahme bringt sicherlich keine Verbesserung: Das Habitat von Molchen und die Amphibienwanderung werden gestört, die Überfahrungsgefahr für die Hüpferlinge (also die kleinen Fröschlein) steigt – nicht nur auf der Straße durch stärkere Verkehrsbelastung, sondern auch auf dem geplanten WoMo-Stellplatz, der bislang als Lebensraum für die Überwinterung von Amphibien, Reptilien dient. Hinzu kommt das Störpotential für Vögel und andere Tiere.
Der Bachtelweiher ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Bürgerinnen und Bürger Kemptens. Unter Naherholung verstehe ich die Möglichkeit, Natur zu erleben, spazieren zu gehen, Bäume und Wiesen zu genießen, abzuschalten. Den Umbau der Minigolfanlage lass ich mir ja noch eingehen (sofern keine Bäume geschädigt werden). Doch die Aussicht auf einen Wohnmobilstellplatz mit zusätzlichem Parkplatz anstelle von einer grünen Wiese mit Bäumen? Das entspricht nicht meinen Vorstellungen von einem Naherholungsgebiet.
Aus der Bürgerschaft regt sich Widerstand, insbesondere die Anwohner fürchten zusätzlichen Verkehr und Lärmbelästigung durch Veranstaltungen am Wochenende. Kurz vor Weihnachten hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die folgende Petition aufgesetzt hat „Erhaltet unsere Natur und Naherholung am Bachtelweiher!“
So sah es nach den Fällungen aus:




