Am Montag (26.2.) tagte mal wieder der Klimaschutzbeirat und – was soll ich sagen? Ein lähmendes Gefühl von Müdigkeit und Frustration hüllte mich ein. Dabei fing die Sitzung sehr erfrischend an: Eine Gruppe Jugendlicher vom Projekt „Junges Utopia“ war zu Gast und berichtete über ihre „kreative Zukunftswerkstatt“, einer Kooperation der vhs und Kunstschule Kempten und dem gemeinnützigen Verein Tuteka. Sie hatten in dem Projekt – teilweise im Austausch mit einer italienischen Gruppe in Rom – vielfältige Ideen für eine wünschenswerte, gerechte und nachhaltige Zukunft entwickelt. Oberbürgermeister Kiechle, die Vorsitzende Gerti Epple und die Beiräte waren begeistert und voll des Lobes für die engagierte Jugend. Und dennoch bleibt bei mir persönlich ein bitterer Nachgeschmack. Warum?

Kaum waren die Jugendlichen aus der Tür, ging der Beirat zur Tagesordnung über: Petra Hausmann von der eza! und Thomas Weiß vom Klimaschutzmanagement berichteten über die Fortschritte bei der Umsetzung des „Klimaplans 2035“. Dabei wurde trotz des außerordentlich neutralen Vortrags wieder einmal klar: In Kempten passiert viel zu wenig, um das Ziel „klimaneutral bis 2035“ zu erreichen. Wir werden den Gold-Standard beim European Energy Award aller Voraussicht nach nicht halten können, der Verbrauch von Strom und Heizenergie* ist wieder auf Vor-Corona-Niveau bzw. liegt sogar höher, und bis auf die – absolut begrüßenswerte – Einrichtung des Ringbusses und den Ausbau des ÖPNV sind die Bemühungen überschaubar. Insgesamt entsteht der Eindruck, das Motto lautet: „Kleckern statt klotzen“. Die Mühlen mahlen ernüchternd langsam …

Ein bisschen Ausbau der Fernwärme, ein bisschen Weiterentwicklung der Vorplanung zum neuen Flächennutzungsplan (wobei unklar bleibt, welche konkreten Maßnahmen zum Klimaschutz da eigentlich drinstecken), der Ausbau der E-Auto-Ladeinfrastruktur und einige weitere Radabstellanlagen, eine nachhaltige Wärmeerzeugungsanlage für die zehnte Grundschule und ein paar bewusstseinsbildende Kindergarten- und Schulprojekte zur Müllvermeidung oder zum Energiesparen werden als DIE Maßnahmen aufgeführt, die uns auf den richtigen Pfad bringen sollen. Besonders auf die Klimaschulen sind alle mächtig stolz. Wobei sich der Kreis schließt: Auf der Jugend ruht unsere ganze Hoffnung, die Jugend soll’s richten! Doch ob wir in dem apathischen Schneckentempo der jetzigen Verantwortlichen und mit so wenig „Wumms“ auch nur annähernd in Richtung eines nachhaltigen „Utopia“ kommen, steht zu bezweifeln.

Die einzelnen Maßnahmen kann sich jeder in den Unterlagen zur Sitzung im Ratsinfoportal anschauen: Einfach auf den Titel Sitzung des Klimaschutzbeirates klicken, dann kann man sich die Präsentationen en détail zu Gemüte führen.


*Energierelevante Gebäude der Stadt Kempten:

  • Schulen
  • Kindergärten
  • Verwaltung
  • Feuerwehr
  • Stadtgärtnerei