Küchenschelle und Traubenhyazinthen

Während das Leben für uns Menschen plötzlich auf dem Kopf steht, zeigt sich die Natur von der Corona-Pandemie unbeeindruckt. Vielleicht ist den Vögeln aufgefallen, dass es ungewöhnlich ruhig ist, aber für sie ist es ein Frühling wie jeder andere. Die Natur kommt in Schwung, während wir herunterfahren und ausharren müssen. Vielleicht sehen wir sie, wie vieles andere in dieser Zeit auch, immerhin mit etwas anderen Augen: als wertvolles Gut, das es zu schützen gilt.

Was draußen so alles los ist, dafür hat unsere Naturgartenexpertin Andrea Grünhaupt einen besonderen Blick. Mit ihrem wunderschönen Garten gewann die Blühbotschafterin im letzten Jahr den ersten Preis beim „Naturgarten“-Wettbewerb der Stadt Kempten.

Hier vermittelt sie einen Eindruck, wie es in einem echten Artenvielfalts-Paradies im April ausschaut:

Die Blütenpracht der frühblühenden insektenfreundlichen Pflanzen (wie Salweide, Kornelkirsche, Hasel, Winterling, Märzenbecher, Schneeglöckchen, Blaustern und Krokus) verabschiedet sich im ausgehenden März. Die Amseln füttern fleißig ihre Jungen, Meisen, Spatzen, Rotkehlchen und Buchfinken sind ebenfalls emsig. In dichten dornigen (Benjes-)Hecken aus Vogelnähr- und -nistgehölzen oder in Nisthäuschen haben sie gute Plätze für ihre Nester gefunden und freuen sich, wenn die eisigen Temperaturen weichen.

Nennen Sie einen Teich ihr Eigen, dann können die Vögel im eisfreien Wasser endlich nach Herzenslust baden. Ebenso Molche, Kröten und Frösche, Schnecken, Rückenschwimmer und Libellenlarven. Ein Tier jagt das andere, aber nie hamstern sie Essbares!

Im April betreten nun weitere für die Insekten- und Vogelwelt wichtige Akteure die Bühne. Je nach Lage des Gartens blühen die ersten Ahorne und weitere Weidenarten. Traubenkirschen, Felsenbirnen, Blutpflaumen und roter Holunder tragen ihren Blütenschmuck weithin sichtbar zur Schau. Je schneller es warm wird, desto eher blühen Obstgehölze wie Zwetschgen, Pflaumen und Birnen sowie Johannis- und Stachelbeeren.

Zur Freude aller blütenbesuchenden Insekten locken auch immer mehr Stauden mit ihren Gaben. Hierzu gehören z.B. Lungenkraut (eine wichtige Hummelpflanze, die ihre Blütenfarbe nach der Bestäubung wechselt), Küchenschelle, Frühlings-Platterbse, Veilchen, Schlüsselblümchen und Trollblume. Auch die Traubenhyazinthe, eine hübsche blaue Zwiebelpflanze, trägt mit ihrer langen Blütezeit zur Ernährung von Wildbienen bei. Falls Sie den vielerorts als Unkraut bezeichneten Gundermann in Ihrem Garten finden, lassen Sie ihn stehen – die Hummeln danken es Ihnen mit einer reichen Bestäubung der Nutzpflanzen in Ihrem Garten.

Wer einen naturnahen Garten sein Eigen nennt, darf sich glücklich schätzen. Wer noch keinen hat, kann das ja in diesem Frühjahr ändern. Informationen zum naturnahen Garten gibt’s hier:

Zum Thema Wildbienen:
https://www.wildbienenschutz.de
http://www.wildbienen.de/index.htm

Zum Thema Naturgarten:
https://www.naturgarten.org
https://hortus-netzwerk.de

Zu Wildbienen und naturnahem Garten:
https://www.naturgartenfreude.de

Lesenswerte Infos bieten auch der Beitrag „Garten bienenfreundlich gestalten“ sowie die Broschüre Der Wildgarten auf der Homepage des BUND Naturschutz.

Für alle Vogelfreunde sei die Homepage des NABU empfohlen, hier gibt es viele Tipps für den vogelfreundlichen Garten.

Andrea Grünhaupt bietet Führungen durch ihren Garten an. Geplant sind folgende Termine: 24.05.2020 (10-11 Uhr), 18.07.2020 (14-15 Uhr) sowie 10.10.2020 (15-16 Uhr). Diese werden beizeiten im KMH-Veranstaltungskalender angekündigt. Jetzt heißt es: Daumen drücken, dass der Corona-Spuk bald vorbei ist und die Führungen wie geplant stattfinden können. Wir bleiben optimistisch!

(Andrea Grünhaupt, Kati Bernhardt, Gesine Weiß)